Beim «Iceman» taut das Publikum auf

Am 11. Dezember 2025 fand in der Bibliothek Balgach eine spannende Lesung mit dem ehemaligen Skirennläufer Carlo Janka statt.

Hansueli Steiger , freischaffender Journalist beim «Rheintaler» überlässt uns freundlicherweise seinen Bericht , den er für die Zeitung verfasst hat.

von Hansueli Steiger

Carlo Janka präsentierte in der Bibliothek Balgach sein im Oktober erschienenes Buch und gab spannende, persönliche Einblicke in seine Karriere.

«Ich habe gelesen, dass Carlo Janka nach Balgach kommt und konnte es kaum glauben», sagte ein Besucher bei der Eingangstüre der Bibliothek. Es stimmte: Der Bündner Skistar stattete dem Rheintal einen Besuch ab. Der Ansturm war gross: Über 60 Besucherinnen und Besucher füllten den Raum praktisch bis auf den letzten Platz.

«Ich hätte es mir nie träumen lassen, dass wir bei uns in Balgach einen Olympiasieger, Weltmeister und Gesamtweltcupsieger zu Gast haben dürfen», sagte die Leiterin der Bibliothek, Bettina Bartl. Man spürte es schon bei der Begrüssung: der erfolgreiche Athlet hat nichts von seiner Bodenständigkeit und seiner Coolness, die ihm den Spitznamen «Iceman» eintrug, eingebüsst.

Albrecht und Olympiade:

Wechselbad der Gefühle

«Durchbruch: Mein Weg – Dein Erfolg!» entstand in Zusammenarbeit zwischen Janka und dem bekannten Churer Autor Philipp Gurt, der unter anderem für Besteller wie die mitreissende, mittlerweile acht Bände umfassende Giulia-de-Medici-Krimireihe verantwortlich zeichnet. «Eigentlich hatte ich nicht vor, ein Buch zu schreiben», sagte Janka. Nun sei er aber froh, dass er seine Geschichte aufarbeiten konnte: «Vieles ging über die Jahre vergessen und es war für mich spannend, zurückzublicken.» Richtig ins Rollen kam das Buchprojekt Ende Juni. Entstanden ist ein Werk, in dem die Leserinnen und Leser die Höhen und Tiefen des Bündners miterleben und wie er schon als schüchterner Dreikäsehoch in Obersaxen an der Verwirklichung seines Traumes arbeitete. Das Buch motiviert auch, ungenutzte Energien und Strategien bei sich selbst zu erkennen.

Zwei Kapitel las Janka aus dem rund 200-seitigen Schmöker vor. Die eine handelt von seinem Teamkollegen und guten Freund, Daniel Albrecht, der 2009 auf der Kitzbüheler Streif beim Zielsprung mit 138 Stundenkilometern schwer verunfallte, während sich Janka auf seinen Trainingslauf konzentrieren musste.

Das andere Kapitel war erfreulicher: Sie thematisierte den Weg an den Olympischen Spielen von Vancouver 2010, als Janka mit Gold im Riesenslalom Schweizer Sportgeschichte schrieb. Dabei präsentierte Janka einen visuellen und akustischen Leckerbissen: ein Video mit seiner Fahrt in den Ski-Olymp, kommentiert vom legendären Duo Matthias Hüppi und Bernhard Russi.

Karrierenende mit Rennen

am Lauberhorn

«Wengen»: Die Antwort auf die Frage nach seiner Lieblingsstrecke kommt wie aus der Pistole geschossen. «Das Lauberhorn ist unser Heimrennen, eine grandiose Kulisse, ein richtiges Volkfest – und meist hatten wir gutes Wetter», sagte Janka und schmunzelte: «Ich bin am liebsten bei Sonnenschein gefahren.» Als perfektestes Rennen seiner Karriere bezeichnet er jenes in Jongseon in Südkorea 2016, als er seinen ersten und einzigen Super-G gewann: «Natürlich bei schönem Wetter». Von der angeblichen Rivalität zwischen der Schweiz und Österreich hat er nie etwas gespürt: «Das war unter uns Athleten kein Thema. Man ist mit allen sehr gut ausgekommen.» Janka spricht auch den Zusammenhalt unter den Speed-Spezialisten an: «Man freut sich auch am Erfolg der anderen, man wird wie eine grosse Familie.»

Nach den Erfolgen kam eine gesundheitliche Baisse mit Rückenproblemen und einem Kreuzbandriss. Janka kämpfte sich zurück und wurde 2014/15 Kombinations-Weltcupsieger. Sein Rücktritt kam mitten in der Saison 2021/22: «Ich konnte den Zeitpunkt selber bestimmen. Ich war bereits Familienvater, das zweite Kind war unterwegs. Es war der richtige Entscheid.» Die Umstellung ins «normale» Leben ging reibungslos.

Passend für Janka, dass er seine grossartige Karriere mit einer Abfahrt in Wengen abschloss. Passend auch, dass dabei die Sonne vom wolkenlosen blauen Himmel schien. «Ich bin immer gerne skigefahren, es war immer ein Dürfen und nie ein Müssen.»

Verschiedene Wegbegleiter und Rivalen kommen im Buch zu Wort: Etwa Marco Büchel, Sandro Viletta, Benjamin Raich, der «Herminator», Hermann Maier und natürlich auch Daniel Albrecht. Die ausgewählten Bilder nehmen die Leserschaft mit in eine Zeit, in der die Kinder von der Schule nach Hause rannten, den Schulsack in die Ecke schmissen, und in der Stube mit der Familie zu Mittag assen, während die Skicracks über die Pisten bretterten.

Janka lebt mit seiner Frau und den drei Kindern weiterhin in Obersaxen und gibt sein Wissen im Bereich Coaching weiter: «Viele Sachen, die ich in meiner Karriere gelernt habe, probiere ich jetzt, weiterzugeben. Das macht mir Spass.» Natürlich ist er auch hie und da auf der Piste anzutreffen: «Aber zu 90 Prozent geht es dann gemächlich zu und her. Dann sind die Kinder dabei.» Nach der Lesung nahm sich «Iceman» Zeit, jedes Buch persönlich zu signieren und kam den vielen Selfiewünschen gerne nach. Das Buch des sympathischen Bündners dürfte in den Bestellerlisten weit nach oben klettern. Es ist eines jener Bücher, das man erst wieder weglegen kann, wenn es fertiggelesen ist.

Herzlichen Dank Carlo für dein Kommen und vielen Dank Hansueli, dass wir deinen Bericht verwenden durften.

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